Eine Königin zusetzen — also einem Volk eine neue Königin geben — klingt harmlos, ist aber einer der heikelsten Handgriffe in der Imkerei. Bienen erkennen ihre Königin am Duft, und eine fremde Königin ist für sie zunächst genau das: eine Fremde. Wer sie einfach hineinsetzt, riskiert, dass die Arbeiterinnen sie umklammern und töten. Dieser Beitrag zeigt einen besonders sicheren Weg, das Aufsetzen, und erklärt den zweiten entscheidenden Punkt: wann man nachschaut, ob die neue Königin angenommen ist und legt.
Warum das Zusetzen so heikel ist#
Ein Bienenvolk hält nicht über Befehle zusammen, sondern über Duft. Die Königin gibt einen Botenstoff ab — den Weiselstoff (den „Königinnen-Duft") —, der über die Fütterung von Biene zu Biene durchs ganze Volk wandert. Solange dieser Duft da ist, weiß jede Biene: Uns geht es gut, wir haben eine Königin.
Genau darin liegt das Problem beim Zusetzen. Eine neue Königin riecht immer ein wenig anders als die gewohnte. Für die Bienen ist sie erst einmal ein Eindringling — und den behandeln sie rabiat: Sie bilden eine Kugel um sie, die sogenannte Knäuelbildung, und die Königin stirbt. Der ganze Trick beim Zusetzen besteht deshalb darin, den Bienen Zeit zu geben, sich an den neuen Duft zu gewöhnen, bevor sie mit der Königin in direkten Kontakt kommen.
Die Grundvoraussetzung: ein weiselloses Volk#
Bevor überhaupt eine neue Königin ins Spiel kommt, muss eines sicher sein: Das Volk darf keine eigene Königin und keine angefangenen Königinnenzellen mehr haben. Ein Volk, das sich gerade selbst eine Königin heranzieht, nimmt keine zweite an — es hat ja schon Pläne.
„Weisellos" heißt in der Imkersprache genau das: ohne Weisel, also ohne Königin. Wer unsicher ist, macht die Weiselprobe: Man hängt eine Wabe mit ganz jungen Larven ein und schaut ein bis drei Tage später nach. Beginnen die Bienen, auf dieser Wabe Königinnenzellen zu bauen, waren sie tatsächlich königinlos — und man kann guten Gewissens zusetzen. Tun sie nichts dergleichen, steckt vermutlich doch noch irgendwo eine Königin im Volk.
Die Aufsetzmethode — Bienen laufen zur Königin#
Königinnen werden oft in einem Begattungskästchen herangezogen: einer kleinen Box mit einer Handvoll Bienen, in der eine junge Königin schlüpft, zur Begattung ausfliegt und danach mit dem Eierlegen beginnt. Genau so eine begattete, bereits legende Königin ist die sichere Wahl zum Zusetzen — nur sitzt sie eben noch mit ihrem kleinen Gefolge in dieser Box.
Die Aufsetzmethode löst das besonders elegant. Statt die Königin einzeln zu fangen und in einen Käfig zu sperren, setzt man das ganze Kästchen von oben auf das Volk auf:
- Eine leere Zarge aufsetzen. Auf die Beute — den „Bienenkasten" — kommt eine leere Zarge, also ein leeres Stockwerk ohne Waben, als Zwischenraum.
- Zeitungspapier dazwischen. Zwischen Volk und Kästchen liegt eine Lage Zeitungspapier mit ein paar kleinen Löchern. Diese Papierschicht ist der Clou: Sie trennt die beiden Bienengruppen zunächst, lässt aber den Duft langsam hindurch.
- Das Kästchen öffnen. Man zieht den Boden des Begattungskästchens ein Stück auf, sodass die Königin mit ihrem Völkchen nach unten laufen kann.
- Die Bienen erledigen den Rest. In den nächsten Stunden nagen sich beide Gruppen durch das Papier. Bis sie sich treffen, riechen sie längst gleich — der Duft hat sich vermischt. Die Königin läuft mit ihren Bienen nach unten ins Volk und wird als eine der ihren aufgenommen.
Der Reiz dieser Methode: kein Fangen, kein Quetschen, keine Hektik. Das Zeitungspapier erzwingt genau die langsame Annäherung, auf die es ankommt — und die Erfolgsquote ist entsprechend hoch. Dasselbe Prinzip nutzen Imker übrigens auch, um zwei Völker miteinander zu vereinigen.
Nach dem Zusetzen: kontrollieren und abwarten#
Der richtige Zeitpunkt für die Kontrolle#
Jetzt kommt der Punkt, an dem die meisten Fehler passieren — aus reiner Neugier. Nach dem Zusetzen ist das Verhältnis zwischen Volk und neuer Königin noch labil. Öffnet man zu früh, stört man genau in dem Moment, in dem die Bienen noch nicht ganz entschieden haben, ob sie die Neue behalten. Eine Störung kann dann das Blatt wenden — und die Königin wird doch noch eingeknäuelt.
Deshalb die einfache Faustregel: erst nach etwa 7 bis 10 Tagen nachschauen. So lange bleibt der Deckel zu. Das ist lang genug, dass sich das Volk beruhigt und die Königin ihre Eiablage aufgenommen hat — und kurz genug, dass man rechtzeitig eingreifen kann, falls etwas schiefging.
Worauf man bei der Kontrolle achtet:
- Stifte in den Zellen. „Stifte" sind die frisch gelegten Eier — winzige, weiße Stäbchen, die senkrecht am Zellenboden stehen. Sie sind der Beweis, dass die Königin da ist und legt.
- Eine ruhige Königin. Zieht sie gelassen über die Waben und wird von den Bienen umsorgt, ist die Annahme geglückt. Wird sie dagegen gejagt oder gedrängt, steckt womöglich noch eine zweite Königin im Volk.
Wenn die Königin nicht legt#
Es kommt vor — auch erfahrenen Imkern —, dass eine eigentlich gut legende Königin nach dem Umzug ins neue Volk zunächst nicht wieder in die Eiablage geht. Sie läuft nur über die Waben, ohne zu stiften. Ein sicherer Grund lässt sich oft gar nicht benennen.
Zieht die Königin dabei friedlich umher und wird nicht gejagt, ist die Annahme grundsätzlich gelungen — man kann ihr noch ein paar Tage Zeit geben. Springt sie dann immer noch nicht an, tauscht man sie gegen eine bereits legende Königin aus oder vereinigt das Volk mit einem anderen, statt es weiter hoffen zu lassen.
Wer der Sache auf den Grund gehen will, hat einen schonenden Trick: die Königin in ein gut gefüttertes Begattungskästchen mit auslaufender Brut setzen. Dort, in kleiner, ruhiger Runde, lässt sich in aller Ruhe beobachten, ob sie doch noch mit dem Legen beginnt — bevor man sie voreilig aufgibt.
Häufige Anfängerfehler#
- Zu früh kontrolliert → die Störung im noch labilen Verhältnis kann die Königin das Leben kosten. Mindestens 7–10 Tage Ruhe geben.
- Ins noch beweiselte Volk zugesetzt → ein Volk mit eigener Königin oder angefangenen Königinnenzellen nimmt keine neue an. Vorher weisellos machen und per Weiselprobe absichern.
- Zu lange gewartet → schlüpft im weisellosen Volk unbemerkt eine eigene Nachschaffungskönigin, wird das Zusetzen unnötig kompliziert.
- Eine unbegattete oder frisch geschlüpfte Königin zugesetzt → am sichersten ist eine bereits begattete, legende Königin.
Fazit#
Eine Königin zuzusetzen ist Vertrauenssache — man kann es nicht erzwingen, nur gut vorbereiten. Wer in ein wirklich weiselloses Volk eine begattete Königin über die Aufsetzmethode einbringt und danach die Finger vom Deckel lässt, bis die 7 bis 10 Tage um sind, hat die beiden größten Fehlerquellen ausgeschaltet. Der Rest ist ein Blick auf die Waben: Findet man Stifte und eine ruhige Königin, ist aus zwei getrennten Bienengruppen wieder ein Volk geworden.
Wie ein solches weiselloses Jungvolk überhaupt entsteht, steht in den Beiträgen Ableger — wie ein neues Volk entsteht und Kunstschwarm — Schritt für Schritt zum neuen Volk.
Quellen & weiterführende Links#
- Grundlagen der Volksbildung: Ableger — wie ein neues Volk entsteht
Stand: 08/2026
Hinweis: Allgemeine Information, keine fachliche, tierärztliche oder rechtliche Beratung. Im Zweifel beim Bieneninstitut oder Imkerverein nachfragen.