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Ableger — wie ein neues Volk entsteht

856 Wörter·5 min

Ein Ableger ist die einfachste Art, ein neues Bienenvolk zu gewinnen — nicht durch Kaufen oder Warten, sondern indem man einem bestehenden Volk einen Teil abnimmt und daraus ein eigenständiges Volk heranwachsen lässt. Imker bilden Ableger, um ihren Bestand zu vergrößern, Winterverluste auszugleichen, schwarmlustige Völker zu entlasten — und ganz nebenbei den Varroadruck zu senken.

Das Grundprinzip: Was ein Ableger ist
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Ein Bienenvolk besteht aus einer Königin, vielen Arbeiterinnen und der Brut. Für einen Ableger entnimmt man einem starken Volk einige Brutwaben mitsamt den darauf sitzenden Bienen — aber ohne die Königin — und hängt sie in eine eigene Beute. Die Bienen merken, dass ihnen die Königin fehlt, und ziehen sich aus einer ganz jungen Larve eine neue heran. Aus einem Volk werden so zwei.

Das Erstaunliche daran: Die Bienen brauchen dafür keine Anleitung. Die Fähigkeit, aus einer gewöhnlichen Larve eine Königin zu machen, steckt in jedem Volk — es genügt, dass der vertraute Duft der alten Königin fehlt.

Drei gängige Wege zum Ableger
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Es gibt mehrere Verfahren. Für den Anfang reicht es, die drei häufigsten zu kennen:

Brutableger
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Der Klassiker. Man gibt einige Brutwaben (darunter eine mit jüngster, offener Brut) und ein paar Futterwaben ohne Königin in eine eigene Beute. Das einfachste Verfahren für den Einstieg — und das, mit dem die meisten Imker ihr erstes eigenes Jungvolk bilden.

Sammelbrutableger
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Hier werden Brutwaben aus mehreren Völkern zu einer königinlosen Einheit zusammengeführt. Das nutzt man vor allem als Baustein in der Varroa-Strategie: Die Milben wandern mit der Brut in den Sammelableger und lassen sich dort gebündelt behandeln.

Kunstschwarm
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Man kehrt bzw. schüttelt Bienen von den Waben in eine leere Kiste (ohne Waben), gibt eine Königin dazu und lässt sie auf frischen Mittelwänden neu bauen. Das ahmt einen natürlichen Schwarm nach — wie das im Einzelnen abläuft, steht im Beitrag Kunstschwarm — Schritt für Schritt zum neuen Volk.

Von der Weiselzelle zur legenden Königin
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Woher kommt die neue Königin?
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Dafür gibt es zwei Wege:

  • Selbst nachziehen lassen (Nachschaffung): Die Bienen ziehen aus einer jungen Larve eigenständig eine Königin. Das ist am einfachsten, die Qualität schwankt aber.
  • Zelle oder Königin zusetzen: Man gibt eine schlupfreife Weiselzelle oder eine bereits begattete Königin von einem Züchter dazu. Das ist zuverlässiger und liefert in der Regel bessere Königinnen. Worauf es dabei ankommt, beschreibt der Beitrag Königin zusetzen — so gelingt die Annahme.

Viele Imker bevorzugen den zweiten Weg, sobald sie Zugang zu guten Zuchtzellen oder Königinnen haben.

Der zeitliche Rahmen
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Ein Ableger läuft über mehrere Wochen nach einem recht festen Takt:

  • Nach etwa 9 Tagen schaut man nach den Weiselzellen und reduziert sie — in der Regel auf eine. Lässt man mehrere stehen, steigt das Risiko, dass das Jungvolk wieder schwärmt.
  • Danach schlüpft die junge Königin, fliegt zur Begattung aus und beginnt nach einigen Wochen mit der Eilage.
  • Nach rund 25 bis 30 Tagen prüft man, ob die Königin tatsächlich legt — ob das Volk also „weiselrichtig" ist.

Zwischendurch gilt: nicht unnötig öffnen. Verdeckelte Weiselzellen sind sehr stoßempfindlich, und eine sich gerade einrichtende Jungkönigin sollte man in Ruhe lassen.

Was einen Ableger stark macht
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Die 3-Kilometer-Regel
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Ein frischer Ableger sollte mindestens etwa 3 km vom Ursprungsvolk entfernt stehen. Sonst fliegen die älteren Flugbienen einfach zu ihrem alten Standort zurück und der Ableger schwächt sich. Steht kein zweiter Standort zur Verfügung, gibt es Tricks — aber die einfache Faustregel lautet: weit genug weg.

Das brutfreie Fenster gegen die Varroamilbe
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Die Varroamilbe vermehrt sich ausschließlich unter verdeckelter Brut. Ist ein Volk brutfrei, hat sie kein Versteck mehr — und genau dann lässt sie sich am wirksamsten bekämpfen. Ein Ableger bietet dieses Fenster, allerdings nicht sofort: Ein Brutableger bekommt ja gerade Brutwaben mit auf den Weg. Brutfrei wird er erst, wenn diese mitgegebene Brut vollständig ausgelaufen ist und die junge Königin noch nicht mit dem Legen begonnen hat — also frühestens rund drei Wochen nach der Bildung.

Anders beim Kunstschwarm: Der besteht von Anfang an nur aus erwachsenen Bienen und ist damit sofort brutfrei. Wer das Varroa-Fenster gezielt nutzen will, muss also wissen, welche Ablegerform er vor sich hat und wann sie tatsächlich brutfrei ist. Welche Mittel und Mengen jeweils richtig und zugelassen sind, hängt von vielen Faktoren ab — hierzu beraten Bieneninstitute und Imkervereine.

Häufige Anfängerfehler
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  • Zu viele Weiselzellen stehen lassen → das Jungvolk schwärmt.
  • Zu früh oder zu oft öffnen → die junge Königin wird nicht angenommen oder kommt zu Schaden.
  • Zu schwacher Ableger (zu wenig Bienen oder Brut) → tut sich schwer, besonders gegen Räuberei oder Hornissen. Ein kleines Flugloch hilft.
  • Königin versehentlich mitgenommen → vor dem Teilen sicherstellen, dass die Königin im Ursprungsvolk bleibt.
  • Das Varroa-Fenster falsch berechnet → beim Brutableger ist das Volk in den ersten Wochen eben noch nicht brutfrei.

Fazit
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Der Ableger ist eines der dankbarsten Anfängerprojekte: Aus einer Handvoll Waben wird über wenige Wochen ein eigenes Volk. Wer einsteigt, fährt mit einem Brutableger aus dem stärksten Volk am einfachsten — und lernt dabei nebenbei, wie ein Bienenvolk sich selbst erneuert. Was am Ende im Glas landet, zeigt die Seite Rund um den Honig.

Quellen & weiterführende Links#

Stand: 08/2026

Hinweis: Allgemeine Information, keine fachliche, tierärztliche oder rechtliche Beratung. Im Zweifel beim Bieneninstitut oder Imkerverein nachfragen.

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