Seit Jahrzehnten ist die Varroamilbe der wichtigste Schädling in der Imkerei. Inzwischen rückt eine zweite Milbe nach: Die Tropilaelaps-Milbe stammt aus Südostasien, wo sie ursprünglich an der Riesenhonigbiene lebte. Sie hat auf die westliche Honigbiene übergewechselt und sich nach Westen ausgebreitet; Ende 2024 wurde sie in Georgien und im Süden Russlands nachgewiesen. In Deutschland kommt sie nicht vor. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf sie, denn zwei ihrer Eigenschaften unterscheiden sie deutlich von der Varroa: Sie vermehrt sich schneller, und sie kann erwachsene Bienen nicht anstechen.

Das Wichtigste in Kürze#
- Noch nicht hier. Nachgewiesen in Georgien und Südrussland, vermutet in der Türkei. Deutschland ist bislang frei.
- Schmaler und schneller als Varroa. Etwa gleich lang, aber nur ein Viertel so breit, und deutlich flinker auf der Wabe.
- Höhere Vermehrungsrate: rund drei Nachkommen je Zelle gegenüber 1,6 bei der Varroa.
- Auf Brut angewiesen. Sie kann erwachsene Bienen nicht anstechen und verhungert ohne Brut binnen weniger Tage.
- Meldepflichtig. Wer sie vermutet, meldet das dem Veterinäramt und behandelt nicht selbst.
Was die Tropilaelaps-Milbe von der Varroa unterscheidet#
Aussehen und Verhalten#
Die Varroamilbe ist breiter als lang, rundlich, und bewegt sich langsam. Die Tropilaelaps-Milbe ist umgekehrt gebaut: länger als breit, etwa einen Millimeter lang und einen halben Millimeter breit. Mit bloßem Auge ist sie noch zu sehen, im Gemüll auf der Windel aber leicht mit Wachskrümeln oder Pollenresten zu verwechseln. Auffällig ist ihr Tempo: Sie bewegt sich erkennbar schneller über die Brutwaben als die Varroa.
Warum sie sich schneller vermehrt#
Eine Varroamilbe bringt je Brutzelle durchschnittlich 1,6 Nachkommen hervor. Für die Tropilaelaps-Milbe werden etwa drei angegeben, in Drohnenzellen mehr. Dazu kommt der Zeitfaktor: Eine Varroamilbe verbringt nach dem Schlupf noch rund eine Woche auf den Bienen, bevor sie die nächste Zelle befällt; die Tropilaelaps-Milbe kann teils schon am folgenden Tag wieder einsteigen. Beides zusammen führt zu einem steileren Befallsanstieg. Befallene Völker können nach den vorliegenden Berichten innerhalb eines Jahres zusammenbrechen.
Das Schadbild selbst ähnelt dem eines Varroabefalls: Die Milben saugen an Larven und Puppen, eine einzelne Milbe sticht ihr Opfer dabei an mehreren Stellen an. Die Bienen schlüpfen verkrüppelt und kurzlebig, und wie die Varroa überträgt auch diese Milbe Viren. Weil sich die Schadbilder gleichen, kann ein Befall längere Zeit unbemerkt bleiben.

Warum sie ohne Brut nicht überlebt#
Die Tropilaelaps-Milbe kann den Chitinpanzer erwachsener Bienen nicht durchstechen. Anders als die Varroa, die sich zwischen zwei Brutzyklen an erwachsenen Bienen ernährt, ist sie vollständig auf Brut angewiesen. Ohne Larven im passenden Alter verhungert sie nach heutigem Kenntnisstand in weniger als drei Tagen, spätestens nach gut einer Woche. Daraus ergibt sich der wichtigste Ansatzpunkt für die Bekämpfung.
Wie man die Tropilaelaps-Milbe findet#
Die vertrauten Verfahren der Varroakontrolle sind hier nur eingeschränkt brauchbar. Eine Vergleichsstudie hat fünf Methoden an 26 Völkern geprüft, die alle nachweislich befallen waren:
- Bodenschieber mit Klebefläche: In dieser Studie ließ sich der Befall damit in allen 26 Völkern nachweisen. Nachteil: Der Schieber muss mehrfach kontrolliert und sorgfältig ausgewertet werden.
- Öffnen verdeckelter Brutzellen: Bei 200 geöffneten Zellen wurde der Befall in gut neun von zehn Völkern erkannt, bei 50 Zellen nur in sieben von zehn.
- Puderzucker- und Alkoholprobe: Beide erkannten den Befall nur in etwa jedem dritten Volk.
Der Grund liegt in der Lebensweise: Eine Milbe, die sich kaum außerhalb der verdeckelten Brut aufhält, lässt sich über eine Probe erwachsener Bienen schlecht nachweisen. Für die Varroa bleiben Puderzucker- und Alkoholprobe geeignet und bewährt; wie man dabei vorgeht, steht unter Varroa im Griff.
Zu beachten ist, dass die Studie an stark befallenen Völkern in Thailand durchgeführt wurde. Bei einem Ersteintrag mit wenigen Milben sind die Trefferquoten niedriger anzusetzen.
Aus der Praxis am eigenen Stand#
Varroamilben lassen sich auf dem Bodenschieber mit bloßem Auge erkennen, eine Lupe braucht es dafür nicht. Beim natürlichen Milbenfall leben sie oft noch: Stupst man sie mit dem Stockmeißel an, laufen sie los, behäbig und etwas wackelig. Das ist die zuverlässigste Art, eine Milbe von einem Wachskrümel zu unterscheiden.
Für Tropilaelaps ändert sich beides. Bei einem Millimeter Länge und einem halben Millimeter Breite ist die Lupe nicht mehr optional, und wenn sich auf der Windel etwas bewegt, dann schneller als gewohnt. Hilfreich ist außerdem, die Windel nur ein bis zwei Tage liegen zu lassen, besser zwei als einen. Dann liegt weniger Gemüll darauf, und einzelne Milben bleiben überhaupt auffindbar.
Ein weiterer Verdachtsmoment sind verkrüppelte Bienen bei gleichzeitig niedrigem Varroabefall.
Was gegen die Tropilaelaps-Milbe hilft#
Weil die Milbe ohne Brut nicht überlebt, ist die wirksamste bekannte Maßnahme keine chemische, sondern eine imkerliche: eine gezielte Brutpause. In einer kontrollierten Studie wurde die Königin dafür gut drei Wochen am Legen gehindert. Alle Völker starteten mit rund 0,4 Prozent befallener Arbeiterinnenbrut. Nach 60 Tagen lag der Befall in den Völkern mit Brutpause bei unter 0,11 Prozent, auch ohne zusätzliche Behandlung. In den unbehandelten Vergleichsvölkern war er im selben Zeitraum auf über 15 Prozent gestiegen, also auf das rund Vierzigfache des Ausgangswerts.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens beseitigte keine der geprüften Varianten sämtliche Milben: Die Brutpause senkt den Befall stark, räumt ihn aber nicht aus. Zweitens greift ein Verfahren nicht, das bei der Varroa gut funktioniert. Das Ausschneiden der Drohnenbrut bleibt wirkungslos, weil die Tropilaelaps-Milbe die Drohnenbrut nicht bevorzugt. Wie eine Brutpause praktisch aussieht, zeigt der Beitrag Totale Brutentnahme.
Welche Mittel und Mengen jeweils richtig und zugelassen sind, hängt von vielen Faktoren ab — hierzu beraten Bieneninstitute und Imkervereine. Für diese Milbe gibt es in Deutschland bislang kein zugelassenes Präparat und kein erprobtes Behandlungskonzept.
Was im Verdachtsfall zu tun ist#
Der Befall mit Tropilaelaps ist meldepflichtig, europaweit ist jeder Fund anzeigepflichtig. Wer eine verdächtige Milbe findet, behandelt also nicht auf eigene Faust, sondern informiert das Veterinäramt oder den Bienensachverständigen. Von dort geht eine Brutprobe an ein Referenzlabor, das die Art bestimmt.
Vorbeugen lässt sich vor allem bei der Herkunft der Bienen. Die Milbe wird über den Handel verbreitet, mit Völkern, Königinnensendungen und gebrauchtem Material. Wer Völker kauft, tut das am besten regional und direkt am Stand des Verkäufers. Wachsam zu bleiben lohnt sich ohnehin: Auch die Asiatische Hornisse ist auf diesem Weg nach Europa gelangt.
Fazit#
Die Tropilaelaps-Milbe ist in Deutschland nicht angekommen, und ein akuter Handlungsbedarf besteht nicht. Wer weiß, wie sie aussieht und wo sie sich zeigt, kann sie im Verdachtsfall früh melden. Das ist bei diesem Parasiten wichtiger als jede spätere Behandlung, weil eine einmal etablierte Population nach bisherigen Erfahrungen nicht wieder zu beseitigen ist.
Quellen & weiterführende Links#
- Friedrich-Loeffler-Institut — Steckbrief „Befall mit Tropilaelapsmilben" (PDF)
- National Bee Unit (BeeBase) — Tropilaelaps (englisch, mit Merkblatt zum Ausdrucken)
- BeeAware Australien — Tropilaelaps mites (englisch, viele Fotos)
- Washington State University — Navigating the Mite Spectrum in Honey Bee Colonies (englisch, Milben im Volk unterscheiden)
Stand: 08/2026
Hinweis: Allgemeine Information, keine fachliche, tierärztliche oder rechtliche Beratung. Im Zweifel beim Bieneninstitut oder Imkerverein nachfragen.
