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Räuberei bei Bienen — wenn Völker klauen

1225 Wörter·6 min

Im Hochsommer, wenn die letzte Tracht vorbei ist und draußen nichts mehr blüht, ändert sich der Ton am Bienenstand. Aus den friedlich sammelnden Völkern werden Konkurrentinnen: Räuberei bei Bienen heißt, dass ein Volk die Vorräte eines anderen plündert. Für Imker ist das eine der unangenehmsten Situationen der Saison — sie eskaliert schnell und hört selten von allein wieder auf.

Warum Bienen überhaupt räubern
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Räuberei ist kein Fehlverhalten, sondern schlichte Ökonomie. Solange Nektar fließt, holen die Sammlerinnen ihn dort, wo er am billigsten zu haben ist: an der Blüte. Versiegt die Tracht, verschiebt sich die Rechnung. Eine Wabe mit fertigem Honig im Nachbarvolk ist dann die ergiebigste Quelle weit und breit — und Bienen unterscheiden nicht zwischen „unserem" und „fremdem" Vorrat.

Ab etwa Mitte Juli sind sie deshalb dauerhaft auf der Suche. Und zwar, und das überrascht die meisten, unabhängig davon, wie voll die eigenen Waben sind: Auch satt gefütterte Völker räubern. Gut zu füttern ist also kein Schutz. Besonders scharf wird die Lage, wenn eine große Fläche abblüht und die Tracht von einem Tag auf den anderen abreißt.

Beraubt wird, wer sich nicht wehren kann — ein Volk ohne Königin, ein krankes, oder eines mit zu wenigen Bienen für die Wächterposten am Flugloch. In der Natur setzt sich hier das stärkere Volk durch, ganz ohne Zutun des Imkers.

Warum Imker sie trotzdem verhindern
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Was natürlich ist, muss nicht harmlos sein. Ein ausgeraubtes Volk verhungert — das allein wäre Grund genug. Der größere Schaden entsteht aber danach: Krankheiten und Varroamilben wandern mit der Beute.

Und zwar in beide Richtungen. Wer glaubt, das eigene starke Volk mache dabei ein Geschäft, irrt: Untersuchungen zeigen, dass sich gerade die räubernden Bienen verstärkt mit Varroamilben und anderen Erregern anstecken. Warum die Milbe so gefährlich ist, steht im Beitrag Varroa im Griff — Befall erkennen und handeln. Wie groß der Schaden werden kann, zeigt eine Erhebung aus Indien: Dort gingen in zwei Jahren zwischen 15 und 75 Prozent der Völker durch Räuberei verloren.

Woran man Räuberei bei Bienen erkennt
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Der falsche Alarm
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Zuerst die Entwarnung, denn sie erspart viel Schrecken: Etwa zehn Minuten nach einer Futtergabe kocht das Flugloch des gefütterten Volkes plötzlich über. Das ist keine Räuberei. Im Stock ist das Futter entdeckt worden und wird mit dem Rundtanz beworben — einem Tanz ohne Richtungsangabe, der sinngemäß sagt: „such ganz in der Nähe". Die aufgeforderten Bienen stürzen daraufhin hinaus. Derselbe Tanz verbreitet im Spätsommer allerdings auch jede entdeckte fremde Quelle.

Die echten Zeichen
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Das feinste Merkmal ist die Flugrichtung. Beim räubernden Volk fliegen die Bienen „raus und rein" — sie starten leer und kommen vollgesogen zurück. Beim Opfer ist es umgekehrt: „rein und raus". Dazu kommen:

  • Ein klebriges Flugloch. Räuberinnen verlassen den Stock vollgesogen und hinterlassen schmierige Spuren; das Flugloch wird auf Dauer nicht mehr sauber gehalten.
  • Wachskrümel. Auf dem Anflugbrett liegen feine helle Späne — aufgebissenes Deckelwachs. Wer eine Windel unter dem Volk hat, findet dort dasselbe, dazu Bienenbeine und Fühler aus den Kämpfen im Stockinneren.
  • Tote Bienen vor dem Flugloch, anfangs von den Wächterinnen abgestochen.
  • Eine auffällig leichte Beute beim Anheben, und beim Öffnen stieben fremde Bienen hektisch auf.
  • Futter verschwindet, ohne anzukommen. Das Futtergeschirr ist leer, aber in den Waben reichert sich nichts an — das verräterischste Zeichen überhaupt.

Räuberei tritt in zwei Formen auf. Die offene ist unübersehbar: wildes Fliegen, Kämpfe, oft mehrere Völker beteiligt, das Opfer in Stunden überrannt. Die stille zeigt fast nichts — ein Volk wird über Tage unauffällig leergetragen. Sie ist die gefährlichere.

Bleibt die Frage, welches Volk räubert. Dafür gibt es einen verblüffend einfachen Test: etwas Mehl am Flugloch des Opfers ausstreuen und schauen, in welchen Kasten die bestäubten Bienen anschließend einfliegen.

Wie man Räuberei vermeidet
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Räuberei entsteht selten aus dem Nichts. Unter Imkern heißt es: einer Räuberei geht immer eine Unachtsamkeit des Imkers voraus. Entsprechend viel lässt sich durch Arbeitsweise verhindern.

Bei der Ernte
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Honigduft in einer trachtlosen Landschaft wirkt wie ein Signal. Deshalb wird zügig und in einem Zug gearbeitet statt in mehreren Etappen. Entnommene Waben bleiben nie offen stehen, sondern kommen abgedeckt in eine dichte Kiste. Und was nach dem Schleudern honigfeucht ist — Waben, Siebe, Geschirr —, wird nicht im Freien ausgelegt, sondern von den Bienen im eigenen Stock sauber lecken gelassen.

Auch die Tageszeit zählt: Am Trachtende erntet man besser abends, weil sich eine beginnende Räuberei über Nacht beruhigt. Warum in laufender Tracht trotzdem der Morgen die bessere Wahl ist, steht im Beitrag Honigernte — wann Honig wirklich reif ist.

Beim Füttern
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  1. Sauber arbeiten. Verschüttetes Futter ist eine Einladung; im Zweifel mit Wasser wegspülen.
  2. Abends füttern, möglichst kurz vor der Dunkelheit — bis zum Morgen haben die Sucherinnen die Quelle vergessen. Kontrollieren dagegen früh morgens, wenn wenig Flugbienen unterwegs sind.
  3. Das Flugloch verengen, und zwar bevor gefüttert wird. Als Größenordnung gilt: nicht höher als etwa ein Zentimeter. Ganz zudrücken hilft nicht — dann leidet die Belüftung und der Duft entweicht durch andere Ritzen.
  4. Dicht arbeiten. Undichte Futtergefäße und schlecht sitzende Deckel sind die häufigste Einflugschneise.
  5. Geruchsarmes Futter wählen. Honig provoziert am stärksten, Sirup deutlich weniger als selbst angerührtes Zuckerwasser, und bei festem Futterteig räubern Bienen praktisch gar nicht.

Die häufigsten Fehler
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  • Zu viele oder zu unterschiedlich starke Völker dicht beieinander.
  • Mittags bei Sonne lange am offenen Volk arbeiten.
  • Schwache Jungvölker neben den großen Wirtschaftsvölkern aufstellen. Sie ziehen fast immer den Kürzeren — mehr dazu unter Ableger — wie ein neues Volk entsteht.
  • Ein Volk mit Milbenbefall eingehen lassen, statt es zu behandeln. Geschwächte Völker sind die Opfer von morgen.

Wenn es doch passiert
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Fängt es an, zählt Tempo. Die laufende Arbeit wird sofort abgebrochen, das Volk geschlossen, jedes offene Wabenstück weggeräumt. Beruhigt sich die Lage nicht binnen Minuten, hilft Wasser: Beregnet man die Flugfront, gehen die Räuberinnen ab — Bienen fliegen bei Regen nicht.

Läuft die Räuberei erst richtig, reicht ein enges Flugloch nicht mehr. Dann wird es zusätzlich verstellt, etwa mit einem Brett oder einem Zweig davor, sodass der Zugang nicht mehr direkt anzufliegen ist. Retten lässt sich das Volk aber meist nur, indem man es aus dem Flugbereich der Räuberinnen bringt — rund zwei bis drei Kilometer weit, sonst finden sie zurück.

Damit ist erst die Hälfte getan: Hunderte Räuberinnen fliegen weiter den alten Platz an und stürzen sich, wenn dort nichts mehr steht, auf die Nachbarvölker. Der Kniff dagegen ist simpel — man stellt eine leere Beute ohne Waben an den alten Platz. Die Räuberinnen suchen darin herum und merken erst nach und nach, dass nichts zu holen ist. Nach ein paar Tagen kann die Attrappe wieder verschwinden.

Ein letzter Trick betrifft den ganzen Stand: Fällt im September auf, dass einzelne Völker zu wenig eingelagert haben, füttert man alle nach — die satten nur ein wenig. Dann duftet der ganze Stand gleich, und die Schwachen stechen nicht mehr als Ziel hervor. Wie sich diese Arbeiten ins Jahr einfügen, zeigt der Überblick Das Bienenjahr — was Imker wann tun.

Fazit
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Räuberei ist natürliches Bienenverhalten, das der Imker meist selbst auslöst — durch Duft, offene Waben und zu breite Fluglöcher. Wer im Spätsommer zügig, sauber und abends arbeitet, bekommt sie in aller Regel gar nicht erst zu sehen.

Quellen & weiterführende Links#

Stand: 08/2026

Hinweis: Allgemeine Information, keine fachliche, tierärztliche oder rechtliche Beratung. Im Zweifel beim Bieneninstitut oder Imkerverein nachfragen.

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