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Asiatische Hornisse — Gefahr für den Bienenstand

1243 Wörter·6 min

Vor dem Flugloch steht ein dunkles Insekt fast bewegungslos in der Luft und wartet. Kommt eine Sammlerin schwer beladen heim, schießt es vor. Wer diese Jagdszene einmal gesehen hat, vergisst sie nicht: Hier jagt eine Asiatische Hornisse. Seit gut zwanzig Jahren breitet sie sich von Frankreich aus über Europa aus, inzwischen ist sie auch in Bayern angekommen — und kaum ein Thema wird unter Imkern derzeit so aufgeregt diskutiert. Dieser Beitrag ordnet ein, was gesichert ist und was in Deutschland tatsächlich hilft.

Das Wichtigste in Kürze
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  • Erkennen: dunkler Körper, gelbe Beinenden, von vorn ein orangefarbenes Gesicht. Die Größe sagt gar nichts.
  • Melden: Ein Handyfoto genügt. In Bayern läuft das über das amtliche Portal BeeWarned. Eine gesetzliche Pflicht dazu besteht seit 2025 nicht mehr — sinnvoll ist es trotzdem.
  • Keine Fallen. Sie fangen alles Mögliche mit und sind in Deutschland nicht zulässig.
  • Was wirklich schützt: starke Völker, ein enges Flugloch — und eine saubere Varroabehandlung. Die Milbe bleibt der größere Gegner.

Asiatische Hornisse erkennen — und mit wem man sie verwechselt
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Am Tier
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Die Asiatische Hornisse ist insgesamt dunkler als unsere heimische Europäische Hornisse. Ihr Hinterleib ist überwiegend schwarz mit einer breiten orangefarbenen Binde, das Gesicht von vorn orange. Das zuverlässigste Merkmal sind aber die Beine: dunkel mit auffällig gelben Enden. Die heimische Art hat einen hell gelben, schwarz gestreiften Hinterleib und dunkle Beine.

Ein verbreiteter Irrtum ist die Größe. Die Asiatische Hornisse ist kleiner als die heimische — die Riesenhornissen aus der Presse sind ganz andere Arten und kommen hier nicht vor. Und eine Wespenkönigin erreicht im Frühjahr über zwei Zentimeter, mehr als die ersten Hornissenarbeiterinnen. Wer nach dem größten Tier sucht, sucht falsch.

Am Nest
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Im Verdachtsfall ist das Nest sogar aussagekräftiger als das Tier:

  • Die Asiatische Hornisse baut frei hängend, kugelig bis birnenförmig, mit einer kleinen Öffnung an der Seite. Die großen Sommernester hängen meist hoch in Bäumen.
  • Die heimische Hornisse baut in Höhlungen — hohle Bäume, Kamine, Kästen —, eher zylindrisch und mit einer breiten Öffnung an der Unterseite.

Diese Unterscheidung ist kein Detail für Spezialisten: Die Europäische Hornisse ist besonders geschützt, ihr Nest zu beschädigen ist verboten. Wer unsicher ist, meldet und lässt bestimmen, statt selbst tätig zu werden.

Was die Asiatische Hornisse am Bienenstand anrichtet
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Die Hornisse braucht Eiweiß für ihre Brut, und ein Bienenstand ist die dichteste Eiweißquelle weit und breit. Gejagt wird im Rüttelflug vor dem Flugloch, erbeutet werden vor allem heimkehrende Sammlerinnen. Der Druck beginnt im Juli, steigt ab September deutlich an und kann bis in den November reichen. Der sichtbare Verlust ist dabei nicht das Schlimme — ein starkes Volk verkraftet einige gefangene Bienen.

Der Schaden, der erst im Winter sichtbar wird
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Erstens sind die Hornissen vor der Beute keine Zufallsgäste. Sie finden einen Stand über den Geruch — Pollen, Honig und der Duftstoff, mit dem die Bienen selbst ihren Eingang markieren — und merken sich anschließend den Weg dorthin. Was man vor dem Flugloch sieht, sind also überwiegend Wiederkehrer. Deshalb hilft es, den Stand geruchsarm zu halten: keine offenen Waben, kein verschüttetes Futter. Dieselbe Regel gilt ohnehin gegen Räuberei bei Bienen.

Zweitens tötet nicht der Fraßverlust, sondern die Lähmung. Stehen dauerhaft Hornissen vor dem Flugloch, geht die Sammeltätigkeit zurück; bei etwa einem Dutzend kommt sie praktisch zum Erliegen. Die Bienen bleiben drinnen, zehren die Vorräte auf und geraten unter Dauerstress. Genau in diese Zeit — September und Oktober — fällt aber die Aufzucht der Winterbienen, jener langlebigen Generation, die das Volk über den Winter tragen muss. Fällt sie zu klein aus, stirbt das Volk nicht im Herbst, sondern im Februar — und der Zusammenhang wird dann leicht übersehen.

Belastbare Zahlen, ab wann es kritisch wird, gibt es bis heute nicht. Kursierende Schwellenwerte sind Schätzungen, keine Messwerte. Verlässlicher ist die eigene Beobachtung: Wie viele Hornissen stehen regelmäßig vor der Beute, und wie reagieren die Bienen darauf?

Was in Deutschland zu tun ist — und was nicht
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Melden statt selbst bekämpfen
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Seit März 2025 gilt die Asiatische Hornisse in Deutschland als etabliert und weit verbreitet. Damit ist die frühere Pflicht entfallen, jedes gefundene Nest sofort zu beseitigen; auch eine gesetzliche Meldepflicht besteht nicht mehr. Über Nester wird seither im Einzelfall entschieden — den amtlichen Stand dazu fasst das Umweltbundesamt zusammen.

Sinnvoll bleibt es trotzdem — es ist der wirksamste Beitrag eines einzelnen Imkers. In Bayern koordiniert das Institut für Bienenkunde und Imkerei; gemeldet wird über BeeWarned, ein Handyfoto genügt. Bestätigte Funde werden geprüft und Nester im Umfeld entfernt.

Andere Länder haben eigene Portale — die norddeutschen gemeinsam AHlert-Nord, Nordrhein-Westfalen das Neobiota-Portal des LANUV. Sonst ist die untere Naturschutzbehörde des Kreises zuständig.

Zwei ehrliche Einordnungen dazu: Eine Nestentfernung entlastet den Bienenstand, rottet die Art aber nicht aus — dafür ist sie längst zu weit verbreitet. Und Meldungen lohnen gerade dort, wo die Hornisse noch nicht heimisch ist: Königinnen reisen als blinde Passagiere im Frachtverkehr und tauchen sprunghaft weit außerhalb bekannter Gebiete auf.

Warum hier keine Fallen aufgestellt werden
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In Frankreich und Großbritannien gehören Fangfallen und elektrische Fanggeräte zum Werkzeugkasten. In Deutschland gilt das nicht — aus zwei Gründen:

  1. Es ist keine Falle bekannt, die selektiv nur die Asiatische Hornisse fängt. Im Beifang landen heimische Insekten, darunter die geschützte Europäische Hornisse. Der Einsatz ist deshalb naturschutzrechtlich nicht zulässig.
  2. Dass Fallen die Ausbreitung bremsen, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Zum Beobachten gibt es einen zugelassenen Weg: ein Glas mit einem Docht aus Schwammtuch und süß-gäriger Lockflüssigkeit. Die Tiere naschen daran, ertrinken aber nicht. Beobachten ja — fangen nein.

Starke Völker — und warum Varroa das größere Problem bleibt
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Am Stand wirken unspektakuläre Maßnahmen: das Flugloch verengen, damit das Volk den Eingang leichter verteidigt, ein Gitter davorsetzen oder den Bewuchs vor dem Flugloch hoch wachsen lassen. Das reduziert den Druck spürbar — es beendet ihn nicht.

Nützlich ist außerdem ein Blick auf die Uhr: Die Asiatische Hornisse stellt ihre Aktivität bei Dämmerung ein, anders als die heimische. Arbeiten am Volk und Fütterung legt man deshalb in die Randzeiten. Und die intensiven Eingriffe des Sommers gehören abgeschlossen, bevor der Jagddruck einsetzt — wie sich das ins Jahr einfügt, zeigt der Überblick Das Bienenjahr — was Imker wann tun.

Und damit zum unbequemsten Punkt. Deutsche Imkerbefragungen zeigen zwar einen Zusammenhang zwischen jagenden Hornissen und höheren Winterverlusten. Die höchsten Verluste trafen aber die Völker, die keine Varroabehandlung bekommen hatten. Das relativiert die Hornisse nicht — es ordnet sie ein: Sie ist ein zusätzlicher Stressfaktor auf ohnehin belastete Völker, nicht deren Hauptgegner. Wer aus Sorge um die Hornisse die Varroaarbeit schleifen lässt, verliert seine Völker zuverlässig an die Milbe. Warum das so ist, steht im Beitrag Varroa im Griff — Befall erkennen und handeln. Welche Mittel und Mengen jeweils richtig und zugelassen sind, hängt von vielen Faktoren ab — hierzu beraten Bieneninstitute und Imkervereine.

Das beste Mittel gegen die Asiatische Hornisse ist deshalb kein Mittel, sondern ein Zustand: ein starkes, gesundes Volk mit ordentlichem Futtervorrat.

Fazit
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Die Asiatische Hornisse ist ein ernstzunehmender Bienenschädling, aber kein Grund zur Panik — und schon gar keiner für Fallen. Wer sie sicher erkennt, Funde meldet und ansonsten seine Völker stark und varroafrei durch den Sommer bringt, tut genau das Richtige.

Quellen & weiterführende Links#

Stand: 08/2026

Hinweis: Allgemeine Information, keine fachliche, tierärztliche oder rechtliche Beratung. Im Zweifel beim Bieneninstitut oder Imkerverein nachfragen.

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